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24.000 Volt in der Luft der Halle

(we) Für Niedersachsen waren es zwei knallharte Tage mit einem Wechselbad der Gefühle. Es begann mit einer unangenehmen Niederlage von Christophe Lambert und endete mit der sensationellen und völlig unerwarteten Silbermedaille von Kerstin Thiele.

Der nächste Tag endete genauso glorreich – das war selbst für Zuschauer erschöpfend und anstrengend. Der Lohn waren sieben Stunden kompakte Stimmung mit 10.000 begeisterungsfähigen Leuten in einer fast voll besetzten Halle. Das Publikum kam aus ganz vielen Ländern. Judo ist hinter Leichtathletik die Sportart mit den zweimeisten teilnehmenden Nationen – insgesamt waren es 135 Nationen. Dominant und auffällig waren die Engländer, die frenetisch ihre Judoka anfeuerten, gefolgt von starken Blöcken aus Holland, Frankreich und den USA. Das deutsche Publikum war nicht so stark vertreten und demzufolge war es in der Halle deutlich ruhiger, als Christophe Lambert und später Kertin Thiele antraten. Trotzdem  bekamen sie auch Anfeuerungsrufe aus dem englischen Publikum.

Von alledem bekam Christophe während seines Kampfes nicht viel mit; auch nicht als zur Halbzeit auf der zweiten Matte ein englischer Judoka antrat, für den tosende Anfeuerungsrufe aufbrausten. „Ich habe zum Teil ganz schlecht meinen Bundestrainer gehört.“ Aber das war nicht sein Problem, er hatte Schwierigkeiten seinen Griff anzusetzen, um überhaupt daraus einen Wurfansatz entwickeln zu können. Trotzdem war er in den ersten drei Minuten der Dominante, während sein Gegner Elkhan Mammadov aus Azerbaidjan eher defensiv reagierte und die Lücken suchte. Und genau die bot der Holler zweimal und zweimal konnte das Mammadov ausnutzen. „Christophe hätte den Griffkampf etwas anders führen müssen, aber mit seiner Verletzung in der linken Schulter war er zu eingeschränkt. Es gab für ihn keine andere Möglichkeit“, bilanzierte sein langjähriger Landestrainer, der mit in der Halle saß. „Mammadov hatte sich gut auf Christophe eingestellt und ihn effektiv blockiert – da lag nicht mehr drin.“

Selbst 2 Tage danach hat Christophe Lambert die Niederlage noch nicht richtig verdaut. „Ich habe mein ganzes Leben auf diesen Moment hin gearbeitet und nach 5 Minuten war alles vorbei. Da werde ich noch eine Weile brauchen, bis ich das verdaut habe“, zeigte sich Christophe Lambert recht betrübt. „Ich war eigentlich gut drauf. Das Aufwärmen lief gut, ich war richtig gut explosiv. Es war eben doch nicht der Top-Tag, der nötig ist. Aber ich weiß auch nicht, was ich hätte anders machen sollen.“ Nur eine Sache passte offensichtlich doch nicht richtig – er hatte fünf Kilogramm Untergewicht und sogar unnötig Gewicht verloren. Damit war er einfach zu leicht im Vergleich zu seinen Gegnern.

Besser lief es bei Dimitri Peters – er hatte die Topform seines Lebens und das zeigte sich schon in der Vorrunde, wie überlegen er seine Kämpfe gewann. In seinen Kämpfen hatte er nur eine Gegenwertung kassiert und das war im Kleinen Finale, mit der er anfangs in Rückstand geriet. Er war bereits in der morgendlichen Vorbereitung hoch konzentriert und ließ sich durch nichts ablenken. Selbst nach den Kämpfen der Vorrunde ging er mit einem Tunnelblick von der Matte und schaute weder nach rechts noch nach links; den deutschen Fans winkte er nicht zu, die extra nach vorne an die Ballustrade rannten. „Für mich gibt es erst Jubel nach dem letzten Kampf; ich will nicht meine Konzentration verlieren und letztendlich meine Linie.“ Er behielt die ganze Zeit über die Ruhe und ließ sich nicht ablenken. Christophe Lambert, der ihn den ganzen Tag über begleitete und als Trainingspartner zur Verfügung stand, erzählte: „In der gut zweistündigen Pause zwischen der Vor- und Finalrunde hat er nach einem kleinen Imbiß sogar ein wenig geschlafen.“

Eine zweite beeindruckende Qualität kam an diesem Tag voll zum Tragen – seine ungeheure Kondition. Nach dem verlorenen Halbfinale, das bedingt durch die volle Golden Score Zeit acht Minuten Kampfzeit bedeutete, hatte er nur ca. fünfzehn Minuten Ruhezeit, während sein Gegner aus Usbekistan Ramziddin Sayidov fast die doppelte Erholungszeit hatte. Aber das schien ihn nicht zu beeindrucken. Und eine weitere Qualität zeigte sich – er ließ sich nicht provozieren. Der Usbeke blieb nach einer Aktion provokativ auf Dimitri Peters Rücken mehrere Sekunden solange sitzen, bis der Kampfrichter ihn zum Aufstehen aufforderte. Dima blieb nach dieser gezielten Provokation ruhig und nutzte kurze Zeit später seine Chance. Nach einem Wurf, der mit der höchsten Unbewertung in die Wertung ging, übernahm er gleich am Boden und nagelte ihn in einen Haltengriff am Boden fest, sodass selbst eine Gegenwehr unmöglich wurde. So gut war seine Kondition!

Die Situation änderte sich als der russische Staatspräsident Putin und kurze Zeit später der britische Premier Cameron auf der Ehrentribühne eintraf. Putin dominierte die Stimmung auf der Ehrentribühne und später sinnierte Dimitri Peters, ob sein Halbfinale gegen den späteren Goldmedaillengewinner Tagir Chaibulajew aus Russland wirklich so ausgegangen wäre, insbesondere ob die Kampfrichter nach dem punktelosen Golden Score auch so gegen ihn entschieden hätten. „Egal, ich habe mich geärgert, aber jetzt freue ich mich über die Bronzemedaille.“

In der Tat war der Auftritt von Putin eine besondere Inzenierung, als er nach dem Sieg von Tagir Chaibulajew von der Ehrentribühne im großen Spalier herabschritt und huldvoll wie ein Patriarch seinen Landsleuten aus der Nationalmannschaft gratuliuerte und ihnen dabei auch den Kopf tätschelte.

Der Weg in die Halle

Mit vier weiteren Sportarten fand  Judo in einem riesigen Gebäudetrakt statt, das eher einer Messehalle ähnelte. Kein Stadion sondern  Hallen mit flexiblen Wänden, in denen die Tribühnen aufgebaut wurden, war das Konzept in London. Somit sollten auch andere Nutzungsmöglichkeiten als für sportliche Großveranstaltungen geschaffen werden.

Der große Menschenstrom wurde durch mehrere Kontrollen geleitet, bis dann tatsächlich die Halle erreicht werden konnte. Wie im Flughafen mussten sich alle einer Gepäckkontrolle unterziehen, Getränke durften nicht mitgenommen werden.

Auch das Thema Schwarzmarkt war präsent. Während in vielen Sportstätten noch viele Plätze frei waren, war Judo weitestgehend ausverkauft und auch besetzt. Jedoch wurden vereinzelt Karten angeboten, was eigentlich strikt verboten war. Demzufolge gab es Kontrollen über Video und anwesendes Personal; selbst der Verkauf einer Karte von jemand, der nach der Niederlage seines Judoka die Finalrunde nicht mehr beiwohnen wollte, war nicht möglich. Da die Rückgabe nicht möglich war, musste unter der Hand verkauft werden. Wurde jemand erwischt und konnte keine glaubwürdige Erklärung vortragen, musste er sich langen unangenehmen Befragungen unterwerfen.

Fotos:

6351 hoffnungsfrohe Fans vor dem Wettkampf

6368 Christophe Lambert (blau) wartet entschlossen unmittelbar vor seinem Kampf

6383 in typischer Kampfhaltung leicht nach vorne gebeugt

6399 Das war das Ende

6482 eine volle Halle

6587 Dimitri Peters packt sich im 1. Kampf den amtiernden Europameister Ariel Zeevi aus Israel

6692 Putin und Cameron auf der Ehrentribühne dicht an der Matte

6795 im Halbfinale sah es anfangs gefährlich aus


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