Christophe Lambert fünfter Platz in Havanna
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- Veröffentlicht: Montag, 09. Juni 2014 15:32
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(we)Einen völlig unerwarteten fünften Platz auf seinem diesjährigen ersten internationalen Turnier, einem Grand Prix in Havanna, belegte Christophe Lambert.
Der für die Holler Bundesligamannschaft startende Belgier Kenneth van Gansbeke hatte wohl seine Verletzungen noch nicht ausreichend auskuriert und schied gleich nach der ersten Niederlage aus. In dem großen Teilnehmerfeld mit 152 männlichen und 141 weiblichen Judoka aus 39 Nationen hatte das deutsche Team besonders gut abgeschnitten. Angereist war die deutsche Frauen Nationalmannschaft und Christophe Lambert alleine. Sie belegten den dritten Platz im Ranking der Frauen Teams. Herausragende Leistung war die Goldmedaille von Laura Vargas Koch (bis 70kg). Die Weltranglistenzweite erhielt zudem noch den Technikerpreis.
Das besondere Merkmal für diesen Grand-Prix war, dass es das erste Turnier war, bei dem Qualifikationspunkte für die Olympischen Spiele in Rio vergeben wurden. Damit wurde die bestehende Weltrangliste nicht zurückgesetzt; für die Auslosung auf der Wettkampfliste wurden die aktuellen Plätze auf der Rangliste zu Grunde gelegt – der Stärkste tritt zuerst gegen den Schwächsten an. Christophe Lambert hatte sich zwei Jahre lang im internationalen Wettkampfgeschehen nicht blicken lassen und hatte nun nach zwei Jahren alle seine Punkte verloren und begann bei Null. In den Jahren zuvor war dieses Turnier eines von vielen und wurden nicht von vielen Mannschaften angereist. Das war die taktische Überlegung von Christophe Lambert, über die weniger besuchten Turniere schnell Punkte zu sammeln, um dann später bei den bedeutsameren Turnieren für die Auslosung eine bessere Position zu haben. Aber schon im Vorfeld wurde erkennbar, dass für dieses Jahr viele Nationalmannschaften ähnlich dachten.
„Egal wie, ich habe für 2016 nur dann eine berechtigte Chance, wenn ich jeden Gegner besiege“, war der lapidare Kommentar von Christophe Lambert. Sein Siegeswille und Elan wurde bereits im Vorfeld durch eine erneute schmerzhafte Verletzung nach einem Bundesligakampf, einem Knorpelabriss in den Rippen, ausgebremst. Eigentlich sollte die Reise schon wieder storniert werden, aber ein kleines Quentchen Hoffnung war noch im Hinterkopf.
Im ersten Kampf besiegte er den Portugiesen Tiago Rodrigues (Platz 62) nach etwas mehr als einer Minute mit einer Ippon-Wertung. Nach einem Freilos, weil der Weltrangzweite Asley Gonzales aus Cuba kurzfristig nicht antrat, ging es im nächsten Kampf um den Poolsieg und dem Einzug ins Halbfinale. Sein Gegner war der Tscheche Alexandr Jurecka (Platz 24), den er bereits auch nach einer Minute mit Ippon-Wertung besiegte. Im Halbfinale wendete sich das Blatt. In der ersten Minute konnte Christophe Lambert gegen Brasilianer Tiago Camilo (Platz 14) gut mithalten, aber dann wurde erkennbar, dass die Schmerzen ihn deutlich einschränkten. Nach zwei Minuten musste er sich geschlagen geben. Im kleinen Finale um die Bronzemedaille musste er sich Krill Voprosob aus Russland (Platz 18) stellen, gegen den er bereits in der letzten Olympiaqualifikation zweimal verloren hatte. Die längere Pause zum kleinen Finale schien Christophe Lambert gut getan zu haben. Er begann sehr offensiv und hatte in der ersten Minute einige spektakuläre Wurfeingänge machen können, die aber nicht mit einer Wertung belohnt wurden. Aber dann nach drei Minuten brach er ein und verlor mit einem Schulterwurf. Trotzdem, dieser fünfte Platz bringt ihm die ersten 60 Punkte und ein Platz um 110 auf der Weltrangliste. Sein deutscher Konkurrent ist Mark Odenthal mit 830 Punkten auf Platz neun. Die Aufholjagd wird hart und lang werden.
Die Holler Judoka hatten zu Christophe Lambert keinen Kontakt weder über Handy noch über Internet bekommen, sodass sie nur über das Internetfernsehen sich ein Bild machen konnten. Die Aufregung über den unerwarteten Erfolg war groß. „Mir hat Christophe gut gefallen. Er ist offensiv und respektlos in die Kämpfe gegangen. Er hat gleich versucht, das Heft des Geschehens in die Hand zu nehmen. Leider hat ihn die Verletzung doch sichtlich eingeschränkt. Da hätte mehr drin legen können“, lobte sein ehemaliger Heimtrainer Bernd Lühmann in erster Stellungnahme nach Mitternacht als die Finalkämpfe beendet waren.
Wie es weitergeht, kann zur Zeit wegen fehlender Kommunikation nicht gesagt werden. Zumindest steht am kommenden Wochenende in El Salvador ein Pan-American Open an, das bei der Reiseplanung noch auf dem Zettel stand.
Foto Katrin Stille (10312010) „einer von vielen spektakulären Würfen aus seinem umfangreichen Technikrepertoire, hier im diesjährigen Bundesligakampf gegen den KSC ASAHI Spremberg“